Malerei

Landwirtschaftsprojekt

Das Landwirtschaftsprojekt wurde in Reaktion auf die Zerstö­rung von Anpflanzungen und Nutztieren durch die starken Regenfälle und die Stürme wäh­rend und nach dem Hurrikan „Mitch“, der Mittelamerika im Oktober 1998 heimsuchte, begonnen. Im Dezember 2008 wurde es (vorläufig) beendet.

Finanziert wurde erste Projektphase zu gleichen Teilen von den drei europäischen Partnerstädten von San Marcos – Jena, Biel/Schweiz und Hel­mond/Holland – wobei der Anteil Jenas (ca. 10.000 DM) ausschließlich aus privaten Spenden stammte. Die späteren Abschnitte des Vorhabens wurden möglich durch Förderungen durch das bmz, die Stiftung Nord-Süd-Brücken, die Stiftung Umverteilen u.a.

Insgesamt wurde in den bisherigen drei Projektphasen 360 Familien, also direkt und indirekt etwa 2.000 Menschen geholfen.

Prinzip des Projektes bestand darin, ausgewählten Bauern in der ländlichen Region von San Marcos Saatgut und Zuchttiere zur Verfügung zu stellen. Es ging darum, den Bauern „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben: Mit dem Anfangskapital in Form von Sachmitteln wurde eine Produktion begonnen. Die einzige Verpflich­tung, die die Bauern vertraglich eingehen mußten, war die, nach Ablauf einer bestimmten Zeit die gleiche Menge von Saatgut bzw. Tieren, die sie bekommen hatten, an das Projekt zurück­zugeben. Dieser Rücklauf an Sachmitteln hat es uns ermöglicht, neue Familien in das Projekt einzu­beziehen. Daneben konnte ein kleiner Teil des Ertrages verkauft werden. Die Tiere und die Säme­reien, die die Bauern behalten, ermöglichen ihnen eine Produktion zur Selbstversorgung und auch zur Vermarktung.

Natürlich hat es auch in diesem Projekt (wie bei allen menschlichen Aktivitäten) Rückschläge gegeben: Der Sommer 1999 kam mit ungewöhnlich starken Regenfällen, die einen Teil der Bohnenanpflanzungen zerstörten – so daß bei diesem Produkt insgesamt nur 70% der ge­planten Menge produziert werden konnten. Besser ist die Erfolgsquote in der Tierzucht, wo Verluste nur durch Tod oder Diebstahl einzelner Schweine festzustellen waren.

Aufbauend auf dem in den ersten beiden Phasen Erreichten haben wir uns dazu entschlossen, eine dritte, größere (unser bisher größtes Projekt!) zu beginnen. Dieser Abschnitt war wesentlich umfangreicher als die vorherigen und hatte die folgenden Komponenten:

verbesserter Herd
    • geschlossene Kochstellen: Im Vergleich zu traditionell offenen Feuerstellen helfen diese, Feuerholz zu sparen und sie verringern die Rauchbelastung in der Wohnung.
    • Es wurden 40 Hausgärten eingerichtet, um die Ernährungssituation der Familien zu verbessern und zu vervielfältigen. Auch wenn die Gärten aufgrund des Wassermangels meist nur in der Regenzeit genutzt werden, haben sie sich doch als fester Bestandteil des Hauses etabliert.
    • Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die Bauern für die Schafhaltung zu begeistern, haben sich die Herden der 8 Familien fest im Dorfbild etabliert. Die Tiere werden auch verkauft, sowohl im Dorf als auch an Fleischereien der Stadt.
    • Mit dem Fonds für den Bohnenanbau haben wir zweimal Rückschläge erlitten. Durch Starkregenfälle, zuletzt durch den Hurrikan Felix im September 2007, wurden große Teile der Ernte vernichtet. Auch Nicaragua leidet zusehends unter den Folgen des Klimawandels. Die Bauern konnten dadurch ihren Kredit erst mit Verspätung zurückzahlen. Dennoch ist es notwendig, die Produzenten weiterhin mit diesem Kredit zu versorgen. Von anfänglich 120 Familien sind noch 96 Familien an diesem Fonds beteiligt.
    • Bei der Imkerei gab es anfangs Schwierig­keiten aufgrund der Unerfahrenheit der Bauern und von klimatischen Einflüssen. Einige verwaiste Bienenbeuten mußten wieder bevölkert werden. Mittlerweile haben die 10 beteiligten Familien ihre Honigproduktion stabilisiert. Der Honig wird teilweise in einzelnen in Flaschen verkauft, teilweise auch in Eimern an Großhändler. 
    Pitahaya
    • Auch über die 20 Pytahaya-Plantagen (Drachenfrucht) gibt es Positives zu berichten. Ein Teil der Kakteen ist voll ausgewachsen und ihre Früchte werden auf dem städtischen Markt für Erfrischungsgetränke verkauft.
    • Es wurde eine Gruppe von Bauern dabei unterstützt, sich in einer Kooperative zusammen zu finden. Sie haben einen Kredit erhalten, dessen finanziellen Rückflüsse anderen Bauern, ggf. auch anderen Kooperativen zugute kommt.

     

    Projektverantwortliche beim Eine-Welt-Haus Jena e.V.     

    Norman Gerhardt

    Ralf Hedwig